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1.

24. Gerlach Stadtansicht um 1890 I

6. aren die Bewerber um das Bürgerrecht nicht frei geboren und kamen aus dem Stand der bäuerlichen Hörigen , dann hatten sie vor der Aufnahme in die Bürgerschaft den Freibrief ihres ehemaligen Gutsherrn vorzu- legen. Gewöhnlich bewarben sie sic h um die Schutzbürgerschaft, weil sie keinen bürgerlichen Grundbesitz nachweisen konnten bzw. keine Aussicht hatten, einen solchen zu erwerben. Der Freibrief bestätigte die Entlassung aus dem Stand der Hörigen. Die Entlassung aus der Hörigkeit mußte abgegolten werden ent - weder durch Arbeitsleistung oder durch die Zahlung eines bestimm- ten Geldbetrages an den Guts - herrn als Ausgleich für die entgan- gene Arbeitsleistung . Wurde um die Aufnahme in die Bürger schaft gebeten, dann mußte das Bürger - aufnahmegeld bezahlt werden, das höher angesetzt war als die Gebühr für die Aufnahme eines Bürgerkindes. Verarmte Zuzügler waren nicht erwünscht. Bei der Aufnahme mußte der städtische Feuereimer erworben werden. Konnte der Bewerber einen sol - chen "in natura " im Rathaus vor - stellen, dann entfiel die Zahlung des "Feuerei mergeldes" . Die städ- tischen Feuereimer waren an ihrer Größe und an dem aufgemalten städtischen Wappen zu erkennen. 3 L ederner Feu ere imer d er Stadt Lübbecke vo n 18 32

5. ie Vereidigung der Neu- bürger fand traditionell am Weihnachtsabend (Heilig - abend) statt. Oie Neubürger wur - den in " Eid und Pflicht " genom - men . Oie Zahlung der Aufnahme- gebühr wurde mit einem " dd " (lat. dedit) quittiert. Am Weihnachts - abend /635 wurden folgende N e ubürger in die Bürgers c haft aufgenommen: "dd Hinrich Klapmeyr ist frey geborn jobst Fegers successor [Nachfolger] dd Hanß juncker ist frey geborn Statz Toiten successor dd Gottschalk Gerlach ist frey geborn johan Brandts successor dd Gotthart von Dilingen Kopferschmet ist frey geborn dd Hinrich Tyman d[e] schnieder i s t frey geborn" . 2 ,

3. ort on der Aufnahme in die Bürgerschaft während des Dreißigjährigen Krieges bis zur hochtechnisierten Herstellung von Fußpflegeprodukten mit Welt - ruf war es für die Lübbecker Familie Gerlach ein weiter Weg, gekennzeichnet von den besonde - ren Gegebenheiten der deutschen Geschichte. er stets engen Verbun - denheit mit dem Lüb - becker Land und seinen Menschen und dem wachen Pioniergeist des Firmengründers Eduard Gerlach ist die Grundsteinlegung für eine Geschäftsentwicklung zu verdan - ken , die das Unternehmen heute auf einem neuen Höhepunkt des Erfolges sein /25jähriges Firmenjubiläum feiern läßt. as war Grund genug, der Familien- und Firmen - geschichte einmal von Anbeginn nachzuspüren. Ohne die Bestände des Firmen - und Familienarchivs Gerlach, des Stadtarchivs Lübbecke und die persönlichen Auskünfte vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätte die Absicht, eine Jubiläumsschrift zu erstellen, nicht realisiert werden können. Nach umfangreichem Quellen- studium wurden vom Autor Daten, Fakten , manchmal auch Anek- doten zusammengetragen, die Un- bekanntes enthüllen und Verges- senes wieder in die Erinnerung zurückrufen. Firmenleitung und Autor hoffen, daß die vorliegende Familien - und Firmengeschichte das gewünschte Interesse findet.

11. LübbecR =- e __ 1829 \ tfef Stadtplan vo n 1829. Numerierun g der Höfe mit römis c hen Ziffern. Posthof hi e r unter Nr. XI. Für die spätere Einwohnerliste wurde die Numerierun g geändert, da die öffent l ichen Gebäude zugerechnet wurden.

32. er spätere Kaufmann Eduard Gerlach hatte das Licht der Welt erblickt. Er führte das ehemalige Bahresche Geschäft an der Langen Straße 39 aus dem lokalen Bereich heraus und legte den Grundstein für das spätere Unternehmen "Ed uard Gerlach GmbH", das mit seinen Produkten unter dem Markenzeichen "Gehwal" weltweit bekannt und erfolgreich wurde. ~~~" ~t\\'o.\~\t~ \ ,

16. s äteren er ac en Frei er Hof an der " Kötte l beke " war zum Freihof gewor - den. Er war von bürger l ichen Lasten befreit. Städtische Besteue - rung entfiel genauso wie die lästi - ge Einquartierung dur c h da s Militär . L etz tere wurde zu den Naturalabgaben gerechnet, da Soldaten und Pferde zu versorgen waren . m 1 790 war der Hof im Besitz de s Verwalt e rs Lücker und wurde de s ha l b auch der " Lückersche Freihof' oder der " Lü c kersche Burgmannshof' genannt. Letztere Bezeichnung war nicht korrekt. Cröße 23 und Ansehen des Hofes hatten zu die - ser Bezeichnung beigetragen. Von einer Burgmannenfamilie war er jedoch nie besessen worden . Die o es Witwe des Verwa l ters Lücker, Catharina Elisabeth, geb. WeIlen - kamp, heiratete den Steuerein - nehmer und späteren Kämmerer Friedrich Ludwig Cerlach. Die Hofbezei c hnung wechselte. Es war jetzt vom "Cerlachschen Freihof' die Rede . Als F . L. Cerlach das Am eines Po s thalter s in Lübbe cke übernahm , bürgerte sich allmäh- l ich d i e Bezeichnung " Posthof ' ein. Nach dem Tode des F . L. Cer l ach im Jahre 1850 ging der Hof in den B es it z seiner Söhne Heinri c h un G. Carl über, die auch da s Po s tg esc häft übernah- men. Po s thof, ö s t li ch es Gebäud e

26. ach einer Verfügung des preußischen Generalpost- meisters wurde Gerlach 1821 vom Dienst vorläufig suspendiert . Ein Postsekretär aus Minden nahm an seiner Stelle die Lübbecker Geschäfte wahr. Der Grund für die Suspendierung dürfte mit folgen- dem Vorfall in Verbindung zu bringen sein: Ludwig v. Ompteda, Minister in Hannover, befand sich auf einer Reise in der Extra-Post nach Osnabrück. In Lübbecke war Pferde wechsel - jedoch die ge - wünschten Relaispferde standen nicht sofort zur Verfügung. Ein ministerielles Donnerwetter ging auf Gerlach hernieder . Dieser wurde schließlich wütend und kon - terte in seiner direkten Art: " Minister hier, Minister da! Ich pfeif auf den Herrn Minister. Auf diesem Hof bin ich Minister " . " Gerlachs westfälische Sturheit hatte Folgen, nämlich eine zwei- jä h r ige Suspension. it Beschwerden über die Post war man auch damals schnell zur Hand. Unangenehm wurden sie dann, wenn sie von hochgestellten Persönlichkeiten geführt wurden. Im juni 1835 hielt sich die per Extra - Post reisende Prinzessin Albrecht von Preußen kurz auf dem Posthof auf. Die kurze Zeit war für die hochgestellte Dame schon zu lang. Es kam für Ihre Hoheit zu einer unerwartet langen Wartepause. Relaispferde standen wieder einmal nicht sofort zur Verfügung. Ein neues Gespann war nicht so schnell aufzutreiben - ein höchst ärgerlicher Vorfall . Obwohl die Pferde bald gestellt werden konnten, ließ Gerlach den Vorfall nicht auf sich beruhen . Er besann sich auf ältere Verordnun - gen , die noch nicht außer Kraft gesetzt waren. Immer noch konn- ten von den Untertanen von Staats wegen Vorspanndienste gefordert werden. So wollten es Verordnungen aus dem jahr e 1818. Diese besonderen Leistu n - gen wurden besonders in den Monaten juli und August bean - sprucht, wenn Badereisen unt er - nommen wurden und die Kauf- leute zur Messe nach Braun - schweig reisten - nur bei den Bauern und bürgerlichen Fuhr - leuten fanden die regierungsamt- lichen Verordnungen wenig Anklang. Die Bezahlung stand in keinem Verhältnis zum Aufwand und zur geplanten Arbeit, die nicht erledigt werden konnte. L. Gerlach wandte sich an • den Lübbecker Bürger- meister Wilmanns mit der Bitte, ihm ein Register der Pferdehalter in Lübbecke, Gehlenbeck und Eilhausen zukommen zu lassen. Gehlenbeck und Eilhausen fielen zu dieser Zeit in die administrative Zuständigkeit der Bürgermeisterei Lübbecke. Gerlach erhielt zwar die gewünschte Auskunft, jedoch die

39. --- udwig Gerlach starb am 22 . Oktober 1868 in Lüb- becke. Sein Sohn Eduard ließ das Geschäft am 25. Nov. 1868 han- delsgerichtlich eintragen. s4 Als ge - lernter Drogist gliederte Eduard Gerlach dem vom Vater übernom - menen Kolonialwarengeschäft eine Drogerie an , die erste im Kreisgebiet. twas königlicher Glanz konnte der Hausreklame nicht schaden. So warb Eduard Gerlach wiederholt für "Bullri c her Salz " mit dem Text: " Das nach sei- nem alleinigen Erfinder dem Apo - theker 1. Klasse und Hof-Lieferan- ten Bullrich in Berlin benannte ächte C. W. Bullrich'sche Univer- sal - Reinigungs - Salz während sei- nes dreißigjährigen Bestehens rühmliehst bekannt geworden als si c heres Präservativ gegen Magen- leiden aller Art, ist fortwährend zu Fabrikpreisen vorräthig bei Eduard Gerlach, Alleinige Nieder - lage für Lübbecke und Umge - gend " . (Lübbecker Kreisblatt, 7. Aug. 1869) Edu a rd Ger l ac h sen., Au ss t e llung ss t a nd B erlin , 1 889

4. • •• me ln ersc a er Lübbecker Stadtsekretär legte 7608 ein Hau sbesitzerverzeichnis an. Namentlich verzeichnet sind die bürgerlichen Hausbesitzer. Die Frei- und Burgmannshöfe sind namentlich oder allgemein unter den bekannten Familiennamen erfaßt. Verzeichnet sind die Häuser der Geistlichkeit und der Kirchen bediensteten. Für jeden Hof , jedes Haus ist die Bruchberechtigung eingetragen , d. h. die Anzahl der Kühe ist an- gegeben, die in die städtischen Bruchwiesen eingetrieben werden durften. In der Liste von 7608 ist die Familie Gerlach nicht eingetra- gen. ie Hausbesitzerliste wurde 7647 revidiert. Infolge des Dreißigjährigen Krieges waren 23 von 373 Häusern und Höfen wüst bzw. nicht mehr bewohnt. In vie- len Fällen war ein Besitzerwechsel zu verzeichnen. Ein Revisionsver - merk betrifft die Familie Gerlach. Unter den Numerierungen 737 und 739 erscheint nach den Namen " Reineke Westrup" und "johan Staell" der neue Haus - besitzer, nämlich Gottschalk Gerlach.' Lübbecke v on der S üdo s t sei te , gezeic hn et u . lithographiert v on H . Schroeder, um 1860

30. am 14. März 1823 weitere 390 Reichstaler in Gold geliehen. Zu den Gläubigern gehörten u. a. die Erben Levy Cahen in Pr. Oldendorf mit 400 Reichstalern und der Domänenfiskus Rahden mit 330 Reichstalern in Gold. F. L. Gerlach war nicht nur hier als Geldverlei- her in die Fußstapfen seiner Vorfahren getreten. 1826 teilte das Königlich - Preu- ßische Oberlandesgericht Pader- born dem Kämmerer Gerlach zu Lübbecke als "Administrator " der Einkünfte des Gutes Böckel bei Bünde mit, daß ein Konkursver - fahren gegen v. Buttlar auf Böckel eingeleitet sei. Dem "Administra- tor" fiel die Aufgabe zu, dem Gericht sämtliche Gutseinnahmen offenzulegen. 46 • Der Steuereinnehmer und v. Korff sc he Administrator Gerlach gegen Kolon Kraemer , Urteil des Friedensgerichte s Lübbecke v om 1 1.06 . 181 1 • • , • • Sententla . ..JJ ... ..r- {

7. ister ottsc a er ac ottschalk Gerlach war frei- en Standes. Da kein Her- kunftsort angegeben ist, muß da- von ausgegangen werden, daß er in Lübbecke aufgewachsen war, vermutlich als Schutzbürger. Diese wohnten gewöhnlich zur Miete und gingen einem Beruf nach , der nicht an die Bedingun - gen der Amter (- Innungen) gebunden war. Sie waren nicht selten Gesellen und warteten dar- auf, in den Meisterstand eintreten zu können. Da die Meisterstellen beschränkt waren und Einheirat oft die einzige Chance war, hielten sie nach anderen Gelegenheiten Ausschau, um bürgerliches Grund- vermögen zu erwerben . Witwen auf einer bürgerlichen Stätte tra- ten schnell wieder in den Stand der Ehe. Auch Gottschalk wird die Gunst der Stunde genutzt haben. 4 Ein Mann im Haus war immer noch die bessere Absi c herung gegen die Widrigkeiten des All - tags. Wer nachher das Heft in der Hand hatte, das stand auf einem anderen Blatt. ottschalk muß ein kleines Vermögen erworben haben. Am 6. Juli 1648 wurde vor Peter Riestenpatt, Richter zu Lübbecke und zum Amt Reineberg, eine Schuldforderung Gottschalk Gerlachs verhandelt. Die Forderung belief sich auf 100 Taler. s Is die Stadt Lübbecke Ostern 1650 Forderun- gen der schwedischen Regierung Minden zu begleichen hatte, streckte der Obrist Otto Johann von Steinacker die verlangte Summe von 300 Reichstalern vor. Die Forderung des Obristen ge- genüber der Stadt wurde von 16 Bürgern verbürgt, unter ihnen Gottschalk Gerlach. Er stand an dritter Stelle in folgender Reihenfolge: Gerdt Toite 50 Thlr (Taler ), Gerdt Kromker 37 Thlr, Gottschalk Gerlach 25 Thlr. Welche Konzession die Stadt- verwaltung den Bürgern gemacht hatte , wird im Schuldbuch der Stadt Lübbecke nicht erwähnt. 6

17. m 7 O. Dezember 7858 war der Lübbecker Post- halter Heinrich Cerlach in einem wichtigen Rechtsges c häft unter - wegs. Er wurde im Lübbecker Rat- haus vorstellig, um die Beurkun - dung vom 22. März 7664 vorzule - gen, die den besonderen Rechts- status des "Posthofes " bestätigen sollte . Die dem Hof " anklebende Immunität " , wie es in der Amts- sprache hieß, d. h. die Befreiung von bürgerlichen Lasten und . Pflichten , war durch die Städte- ordnung in Frage gestellt. Der besondere Rechtsstatus des Hofes s ollte aufgehoben werden. 24 P os th o f , s ü dös tli c h es Ge b ä ud e n einem schiedsrichter- lichen Verfahren wurde am 24. Dezember 7859 entschieden, daß die Immunität des Hofes gegen Zahlung einer Entschädi- gung von 740 Talern an die Brüder Cerlach aufzuheben sei. Die Entschädigung wurde gegen die noch zu zahlenden Steuern aufgerechnet. ie Tochter des Post- halters Heinrich Cerlach, Marie Cerlach, heiratete am 22. juli 7880 julius Hüggelmeyer , Osnabrück. Sie verkaufte den Hof 7978 an den Lübbecker Zigarren- fabrikanten August Blase. 7959 wurde der Hof von der Stadt Lübbecke erworben, die hier ein Feuerwehrgerätehaus errichtete.

33. ie letzten Eintragungen des Ludwig Cerlach in der Familienbibel stammen vom 15. Febr. 1858, dem Todestag seiner Frau Charlotte. Ludwig schreibt: "[. .. ] den Tag vorher vor ihrem Tode war sie ausnehmend munter, ja sogar schäkernd in ihren Reden, sodaß sie noch zu mir sagte, denn die Mädchens waren spatzieren gegangen 'Was meinst Du Cerlach - das Lüd würde eifer - süchtig, wenn ich eher nach Barmen als nach Hannover reise- t ' " e . it "Lüd " (plattdeutsch Mädchen) war die Stieftochter Ludwig Cerlachs, Henriette (jette) Bahre, gemeint, deren Heirat und Umzug nach Hannover bevorstand. Sie heirate- te den Zigarrenfabrikanten Bruno Schäfer. " Nach Barmen " dürfte eine Anspielung auf dort lebende Verwandte sein. Der Eintrag Ludwig Cerlachs zum Tode seiner Frau gibt einen Hinweis, daß in den Bürgerhäusern noch Plattdeutsch gesprochen wurde oder zumindest in Redewendungen gebräuchlich war. Das ortstypi - sche Lübbecker Platt war zu dieser Zeit schon mehr und mehr zurück - gedrängt, die Folge einer unsinni- gen Schulpolitik, die das Platt- deutsche abwertete. Auch Eduard Cerlach der jüngere (1882-1958 ) benutzte gelegentlich plattdeut - sche Redewendungen, wie es sei- nen Tagebüchern zu entnehmen ist. Auch er war von Kindesbeinen an mit dem Plattdeutschen ver- traut. Zahlreiche Mitarbeiter im Cerlachschen Betrieb stammten aus den umliegenden Dörfern. Im Ceschäft und der späteren Drogerie an der Langen Straße wurde im 19. und beginnenden 20. jahrhundert noch sehr viel Plattdeutsch gesprochen. Auf dem Posthof zu Lebzeiten Friedrich Ludwig Cerlachs war es Umgangs - sprache. er Eintrag L. Cerlachs zum Tode seiner Frau gibt einen Hinweis auf den Umgang mitein- ander. Charlotte pflegte ihren Mann mit " Cerlach " anzureden. Diese Art der Anrede war in bür- gerlichen Kreisen verbreitet. Die Kinder pflegten ihre Eltern mit " Sie " anzureden , das seine Variante im Plattdeutschen hatte. Anzumerken bleibt, daß der Name " Cerlach " im I 7 . jahrhundert noch als Vorname gebräuchlich war . Er dürfte der Leitname einer wahr - scheinlich bäuerlichen Familie gewesen sein, die mit Cottschalk Cerlach erstmals in Lübbecke erscheint.

15. r Gesc • lC nter den Lübbecker Kapitel- und Burgmanns- höfen konnte der "Gogrevenho(' mit Zugang von der " Köttelbeke", der heutigen Bäckerstraße, bis- her nicht eindeutig eingeordnet werden. 2o Die Bezeichnung " Gogrevenho(' geht auf den früheren Hofbesitzer, den Lübbecker Stiftsdekan Heinrich Gogreve, zurück, der den Hof 1664 erwarb. itterschaft, Bürger- meister und Rat der Stadt Lübbecke" beurkundeten am 22. März 1664, daß Dekan Heinrich Gogreve einen bürgerli- chen Hof, gelegen zwischen dem Hof des Reinebergischen Amts - schreibers Baltzer (Balthasar) Schwartze und dem Haus des ver- storbenen Heinrich Schnelle in te es ogreven o es, Lübbecke, von Heinrich Heitmöllers Erben in Schlüsselburg gekauft habe. Gogreve bat, den Hof von bürgerlichen Lasten und Pflichten zu befreien. Als Begrün - dung führte er an, der Hof sei von " gemeiner Straße" abgelegen und " zu bürgerlicher Nahrung, Handel und Wandel nicht bequem " . "Rit - terschaft, Bürgermeister und Rat " stimmten zu. Sie begründeten ihre Zustimmung u. a. damit, daß der Hof seit Jahren unbewohnt und außerdem baufällig sei. Mit ande - ren Worten: Gogreve hatte einiges an Leistung und Kapital aufzuwen - den, um den Hof wieder instand zu setzen. Entscheidend für ihre Zustimmung war, daß Gogreve der Stadt Lübbecke 4S0 Reichs - taler übergab .'1 Schuldentilgung und rückständige Zinsforderungen waren seitens der Stadt zu beglei - chen. Die Befreiung von bürgerli - chen Lasten und Pflichten wurde für den Fall eingeschränkt, "daß etwa von der Militie oder sonsten vi majore [aufgrund höherer Gewalt} hiesige Stadt und Gemein- den und andere Inquartierung, Schatzung und dergleichen Beschwerde extraordinarie aufge - drungen [. .. } und überhand neh - men " sollten. ie Bruchberechtigung des Hofes an der " Köttelbeke" wurde, wie folgt, geregelt: Jährlich durften 4 Kühe zur Weide und 4 Schweine zur Mast in die städti - schen Markengründe eingetrieben werden. ie Beurkundung vom 22. März 1664 war von Bedeu- tung. Das große Stadtsiegel wurde angehängt. 22 es

13. die Brüder Gerlach 350 Reichs- taler in Gold über die Kämmerei zurü c k. / 4 Wohlhabende Bürger hatten die Summe vorgestreckt, die durch die Nutzungsrechte am Flurstück " Haverkamps Rott " abge- sichert war. Da eine örtliche Bank fehlte, waren Geldges c häfte der be s chriebenen Art üblich. Es ist anzunehmen, daß die Brüder Gerlach auch in anderen Geld - geschäften tätig waren . , urger un •• er runterne mer ilhelm Gerlach, Sohn des Werner und Vater von Franz und Winand, war als Fuhr- mann tätig. Sein Geschäft betrieb er auch vom Grappendorfschen Hof aus ( heute Bürgerbegegnungs- stätte " Altes Amtsgericht " ) , wo er für das Jahr /151 als Mieter ver- zeichnet ist. / 5 Er benutzte hier einen Teil der Wirtschaftsgebäude. Wenn er gelegentlich als " Ackers - mann " bezeichnet wird, steht diese Bezeichnung nicht im Widerspruch zu seinem Beruf als Fuhrmann . Gerlach führte also mit seinem Pferdegespann auch bäuerliche Dienste für Bürger aus, die ihre Felder im Lohnauftrag bestellen ließen. m " Steuer - C1assifications- Register " der Stadt Lübbecke von /168 / 69 ist in der Rubrik " Gewerbe " für das Haus Gerlach , Lange Straße 2/, " Acker - bau " eingetragen. Es handelt sich also um ein Ackerbürgerhaus. / 6 Wie schon gesagt , führten die Gerlachs auch Lohndienste aus. In demselben Register ist unter Hausnummer / /4 - im 20. Jahr- hundert Niedernstraße 31 - ein weiterer Gerlach aufgeführt. Vornamen sind nicht eingetragen . Das Steueraufkommen des Hauses an der Langen Straße übersteigt deutlich das Aufkommen des Hauses an der Niedernstraße. /159 gehörte das Haus an der

18. CID Catharina E li sa b et h WeJlenkamp verw. Lücker 1764 - 1807 DlE FAM1LlE •• GERLACl--1 lN LUBBECKE • Hausbesitzer & Kaufleute· Friedrich Lud w ig Gerl ach 1770 - 1 850 CID Ca tharina Consb ru c h 17 84 - 1816 Ludwig Ger l ac h 1800 - 1868 CID Sophie Cha rlo t t e Masche r verw. Bahre 1796 - 18 58 ~~~= ~ Ed :' u ~ a : rd ~ G ~ e r ~ 1 a ~ c h ~"""'''''''''''''''''''' 1840 - 1910 CID E li sabeth Barre ............. ___ =_ ~ 18 ~ 5 ~ 1 - ..; 1 :;; 92 ~ 5 ~;;;;;;;;;;o ... Eduard Gerlach 1 882 - 19 58 CID Friederike Auguste Müller 17 98 - 18 3 7

12. •• • ru er ranz un er in stä tisc lnan en esc as ä ten ie Lasten des Sieben- jährigen Krieges bekam Lübbecke unmittelbar zu spüren . Die Wochen vor und nach der S chlacht bei Minden am /. Aug. /759 bedeuteten für Lübbecke durchziehende Armee-Einheiten , die versorgt werden mußten bei nur mäßiger Bezahlung aus der Militärkasse , und noch schlimmer: Einquartierung und Soldaten lager. Zertrampelte Acker, leere Ställe und Scheunen sowie eine leere Stadtkasse waren die unüberseh - baren Folgen einer " glorrei c hen " Kriegszeit. Viele Bürger konnten dem ganzen Kriegstreiben nur wenig abgewinnen. Preußischer Patriotismus hielt s i c h noch in Grenzen. ie nachträgli c hen Folgen waren nicht weniger be - la s t e nd. Das bekamen vor allem die Kommunen zu spüren. Eine hohe Staatsverschuldung mußte abgebaut werden. Der preußische Fiskus ver s uchte den letzten müden Groschen zu retten, wobei eine Münzverschle c hterung in Kauf genommen wurde. In eines der lokalen Geldgeschäfte waren die Brüder Franz und Winand Gerlach , Söhne des Wilhelm Gerlach, verwickelt. Damit hatte es folgende Bewandtnis: m Jahre /757 hatte die Stadt Lübbecke dem Mindener Lazarett 4.000 Ellen Leinwand zu liefern. Als Ersatz konnten 388 Reichstaler und 32 Groschen gezahlt werden. Die Summe wurde später auf 300 Reichstaler festgesetzt. Die gefor - derte Leinwand konnte von der Bürgerschaft nicht geliefert wer - Mü n ze n a u s d e m Dreißi g jäh r ige n K ri e g den. Andererseits fehlte der Käm - merei das nötige Geld. Die gutbe - tuchten Bürger Wix und Welling - hoff stre c kten das fehlende Geld vor. Zur Tilgung und statt direkter Zinszahlung wurde den Gläu - bigern das Flurstück " Haverkamps Rott " - ein Rodungsstück der alten Lübbecker Familie Haverkamp - zur persönlichen Nutzung zuge- wiesen. Als ihre Erben von der Stadt die vereinbarte volle Rück - zahlung verlangten und die Käm - merei die Summe nicht aufbringen konnte , sprangen die Brüder Franz und Winand Gerlach am /6. Jan. /78/ ein. Anderenfalls hätte das städtische Flurstück " Haverkamps Rott " versteigert werden müssen. / 786 erhielten

27. Post wurde darum nicht pünkt- licher . War besondere Eile beim Umspannen geboten, dann konnte im Notfall auf die Lübbe c ker Fuhr - leute zurückgegriffen werden. Bäuerliche Gespanne anzufordern , war jedoch eine andere Sache . Ein resoluter Postverwalter machte auf einem Bauernhof in GehIen - be c k oder Eilhausen nicht unbe- dingt den gewünschten Eindruck trotz regierungsamtlicher Verord- nungen . Passende Ausreden waren immer schnell gefunden. Um dem Übel abzuhelfen, trat der Lübbecker Bäcker Kunscheffer in das Fuhrgeschäft der Post ein. Es war auf dem Posthof bei bestem Willen nicht möglich , die ge - wünschte Anzahl von Pferden zu halten. Außerdem mußte den Postillionen eine Unterkunft bereit · gestellt werden. 1835 schloß der Generalpostmeister mit den Fuhrunternehmern Gerlach und Kunscheffer einen Vertrag, der von April 1835 bis Ende März 1839 Gültigkeit haben sollte. In dem Vertrag wurde u . a . festge- legt: " Der Unternehmer hat jeder 6 , zusammen 12 tüchtige Post - Pferde nebst vier PostilIons zu hal - ten. jeder PostilIon empfängt außer Beköstigung monatlich zwei Thaler Lohn in baarem Gelde. Oie Geschirre müssen haltbar und mit ledernen Kreuzleinen versehen sein [. .. ]". Der Vertrag wurde anschließend verlängert . äcker Kunscheffer bewohnte mit seiner Familie, den Postillionen und dem Gesinde das Haus Nr. 53 an der Langen Straße. Oie Hausnummer ist mit der heutigen identisch. Zum Hausstand gehörten 1849 sechzehn Personen, darunter die Postillione Christian Nunnenkamp, Friedrich Nagel und Heinrich Müller. Im jahre 1905 gehörte das Haus dem Färbereibesitzer Carl Vogeler. Zwischen den Familien Vogeler und Gerla c h an der Lü bb ecker Pos til l i o n Langen Straße sollte es im Lauf e der folgenden jahrzehnte mehr - fach zu geschäftlichen Verbindun - gen kommen. ie öffentlichen Geb ä u de , die Häuser der Kir c h e sowie die Frei - und Burgmann s- höfe wurden im 19 . jahrhunder t nach römischen Ziffern gezählt. Der Posthof fiel unter die Nr . XIV . Der Hausstand des Hofes wird fü r 1849 mit folgenden Personen angegeben:

34. as Geschäft es Lu ach der städtischen Einwohnerliste vom jahre /855 setzte sich der Hausstand im Hause Lange Straße Nr. 39 aus folgenden Personen zusammen: " Kaufmann Ludwig Gerlach (55 jahre alt), Ehefrau Charlotte Gerlach (56), Tochter Charlotte Gerlach (/8), Sohn Eduard Gerlach (/5), Stieftochter Henriette Bahre (26), Stiefsohn Wilhelm Bahre (24), Magd Caroline Grumme (27)".4 7 In der Gewerbesteuerliste der Stadt Lübbecke vom jahre /867 wird Ludwig Gerlach als " Colonial - warenhändler" geführt. Sein Steueraufkommen betrug / 0 Reichstaler jährlich. Das höch- ste Gewerbesteueraufkommen in Lübbecke betrug /2 Reichstaler, das niedrigste 6 Taler. Ludwig Gerlach dürfte den kleinstädtischen Verhältnissen entsprechend ein gutsituierter Kaufmann gewesen se in. Vermerkt wird, daß er das Geschäft seit 30 jahren selbständig unter seinem Namen führe. 4 8 Ludwig Ge rla c h 1800 . 18 68 as hat man unter dem Begriff " Colonialwaren - händler " zu verstehen? Wie es die Bezeichnung sagt, wurde mit Waren aus den europäischen Kolonien gehandelt. Auch südame- rikanische Waren wie Kaffee fielen großzügig unter den Begriff " Kolonialwaren ", handelte es sich bei den südamerikanischen Staa - ten doch um ehemalige europäi- sche Kolonien. Im allgemeinen ver - stand man unter " Colonialwaren" Naturprodukte aus den "wärme- ren Ländern" (Meyers Konver- sations - Lexikon, /890) wie Kaffee, Zucker, Tee, Reis, Tabak und Gewürze. Alle diese Naturprodukte wurden von Ludwig Gerlach ange- boten. Werbung gehörte damals wie heute zum Geschäft. Die An - zeigen im "Lübbecker Kreisblatt " sind beredtes Zeugnis für das viel- fältige Angebot des Gerlachschen Geschäftes an Fruchtsäften, Weinen, Pilzen, Käse und Fisch. Es gab ein Teeangebot, das selbst heutigen Teetempeln Konkurrenz machen könnte. Sogar Spielkarten waren im Angebot zu finden.

20. kämmerer Friedrich Ludwig Gerlach - (;)f er / /. juni /805 war ein ~ wichtiger Tag im L ebe n F. L. Ger lachs. Im Lübbecker Rat- haus hatten sich der Magistrat und die beiden Schützenmeister Friedrich Ludwig Frese und Friedrich Latorff als Vertreter der Bürgerschaft versammelt. 28 An diesem Tag führte der Land - und Steuerrat v. Ditfurth , Minden, Gerlach in das Amt des Kämme- rers und eines Senators der Stadt Lübbe cke ein . Gerlach erhielt ein jährliches Gehalt von 50 Talern und zusätz li ch 4 Taler für Schreib- material und sonstige Auslagen. 29 Das neugewonnene Glück schien nur von kurzer Dauer zu sein. /806 wurde Preußen von der Armee Napoleons bei jena und Auerstedt besiegt. Das Königreich Westfalen wurde geschaffen , dem auch das Fürstentum Minden zugeordnet wurde . Lübb ecke wurde Kantonshauptstadt. Französische Verwalwngsregelun - gen wurden eingeführt . Gerlach wurde " Canton - Receveur ", d. h . Steuereinne hm er für den Kanton Lübbecke . Dieses Amt behielt er auch im kurzlebigen Kaiserreich F rankreich auf deutschem Boden. Gerlach arbeitete sich in die fran- zösische Steuerpraxis ein, die einen elementaren Bruch mit den bisherigen Rechtsgepflogenheiten darstellte und zu vie len Unan - nehmlichkeiten mit den Pflichtigen führte. Aus bisher unbekannten Gründen entzog der Präfekt des Weserdepartements im Dezember des jahres /809 dem Steuerein- nehmer Gerlach das Amt des Stadtkämmerers und übertrug es für ein jahr dem " Muni cipa lrat " Bahre. I A !6 chdem Napoleon besiegt J r worden war und der Wiener Kongreß das europäische Staatensystem in eine Neuordnung faßte , wur de /8/6 die Kre isverfas - sung in de n westlichen Provinzen Preußen s eingeführt. Die Stad t Lübbec ke wurde dem Kreis Rah de n zugeordnet. F . L. Gerlach b lieb Stadtkämmerer. Dieses A mt beh ielt er bis /8 30. 30 Am /. ja n_ /83 1 w urde der Gast- wirt Frie dric h Christiani Stadt- kämmerer . Ihm w urde die Stadt- kasse am 20. Apr il /83 / überge- ben. 31 C hristiani war mit Ludwig Gerlach, einem Sohn F. L. Gerlachs, verschwägert. 32 Christiani war mit Wilhelmine Mascher, Ludwig Gerlach mit Sophie Charlotte Mascher verw. Bahre aus Stolzenau ver heiratet .

29. ährend des Gottes- dienstes in der Lübbecker St. - Andreas - Kirche gab Stadt - prediger Roescher am 30 . April /809 ein Schreiben F. L. Gerlachs bekannt. Diese Art der Bekannt - machung war zu jener Zeit üblich . Voraussetzung war , daß es sich um eine amtliche Bekanntma - chung handelte, die vom Magistrat gebilligt war. Gerlach brachte Interessierten zur Kenntnis, daß die v. Korffschen Kuhweiden am Osterbruch meistbietend zu ver - pachten seien. " Pachtliebhaber " möchten sich am 2. Mai auf dem v. Korffschen Gut Grappenstein einfinden. Der Versammlungsort war gewählt worden, weil die zu verpachtenden Wiesen in unmittel - barer Nähe lagen. 4 3 arl Eberhard August v. Korff war in Zahlungs- schwierigkeiten geraten. Betroffen waren die Güter Obernfelde, Grappenstein, in der Stadt Lübbecke der ehemalige Burg - manns hof v. Grappendorf (frühe- res Amtsgericht) und der Korffsche Hof am Markt. Auch Heinrich v. Korff auf Gut Waghorst im Kanton Bünde befand sich in Zahlungsschwierig- keiten. Ihm gehörten außer Wag- horst die ehemaligen Lübbecker Burgmannshöfe v . Barkhausen am Gänsemarkt und v. Mentzingen an der Bäckerstraße. 44 Die Güter wurden unter staatliche Zwangs- verwaltung gestellt. Einer der gerichtlich eingesetzten Verwalter war F. L. Gerlach. Dieser erschien am / /. Juni /8/ / als Kläger vor dem Friedensgericht Lübbecke. Beklagter war der Bauer Kraemer aus Obermehnen . Es ging um ein - zutreibende Erbpachtgelder . Es war einer der Fälle aus der Korffschen Konkursmasse, die das Gericht beschäftigten. Gerlach wurde gewöhnlich als v. Korff- scher " Administrator " angespro - chen. In wenigen Jahren hatten die v. Korffschen Güter den Besitzer gewechselt und einen guten Verdienst für den " Administrator " abgeworfen. Das Korffsche Gut am Markt war an den Fuhrunter - nehmer Wilhelm Gerlach (Bruder des F. L. Gerlach?) übergegangen. Is Bauer Wehmeyer, Holzhausen Nr . 4, am 24. Nov. /83/ vor dem Königlich- Preußischen Land- und Stadt - gericht Lübbecke seine Zahlungs- unfähigkeit erklärte, wurde F. L. Gerlach als " Sequestrar " einge - setzt. 4 5 Das Bauerngut wurde unter staatliche Zwangsverwal- tung gestellt, wahrgenommen von F. L. Gerlach . Zu Wehmeyers Gläubigern gehörte Gerlach selbst. Am 1. Mai /806 hatte er Wehmeyer 400 Reichstaler und

9. Franz Gerlach 1738 - 1800 <ID Henriette Tegeler ..... iö;;;;;;==~ 1 ~ 7 ~ 4 ;. 2 - 1 8 1 2 ;;;;;;;;;: Fried rich Ludwig Ge rl ach 177 0 - 1 850 , DlE FAM1LlE~~~ •• GERLAC11 lN LUBBECKE • 11 ausbesitzer • Gottschalk Gerlach vor 1 635 - 1 687 <ID Ade lh e i d Wellinghoff - -= ::: ~___ ? - 1696 =, Werner Gerlach 1657 - 1718 <ID Anna Lucia Scheffer = 1664 - ..; 1 ~ 7 5 ;; 8 == Wilhelm Ger l ach 170 8 - 17 68 <ID N.N. <ID Char l otte Hannord 17 69 - 1 800 ", Winand Gerlach 1741 - 1807 <ID Anna Clara I sering h ausen ~ ~ ___ ~~ ~ 17 ~ 3 ~ 8 ~ - ~ 1 ; 79 ~ 3 ~~~~~ Wilhelm Winand Gerlach 1 768 - 1 826 CID Wilh . H enr i et te Kaupmann 1769 - 18 26

21. •• • • ammerel unter Frie rlC hristianis Kassenführung gab bald Anlaß zur Kritik. Bereits am 17. März 1834 wurde die Tätigkeit des neuen Kämmerers als " äußerst gering " bezeichnet. Laufende Unregelmäßigkeiten in der Amtsführung machten das Maß schließlich voll. Der Magistrat wollte die schluderige Amts - , , • I , führung nicht mehr hinnehmen. Am 19. April 1844 stellte er fest: " Der Kämmereikassen-Rendant der Stadt giebt zu gerechten Be- schwerden über die Führung seines Postens seit längerer Zeit vielfache Veranlassung. Bei den • verschiedenen Kassen-Revisionen fand sich jedes mal eine Differenz .L~·"'r? ~ ~ .# zwischen dem vorhandenen Geld- Bestande und dem Bestande nach Abschluß der Bücher. Ferner ist eine sehr bedeutende Summe von Resten vorhanden und hat dies schon seit einigen Jahren in den Revisions - Protokollen zu den Jahres-Rechnungen monirt, auch der pp. Christiani zur Effectuirung • ~ -- - - - -- _._ .-. -~_. - - .. " - ---_._-_._~-_._- ==----- ( {/.{

31. • • • lne amllen 1 e ie Familie Gerlach besitzt noch heute eine Familien - bibel mit zu seinerzeit üblichen Eintragungen zur Familien- geschichte. Die Bibel erschien 1702 in Nürnberg im Verlag j. A. Endters. Sie gehörte ur- sprünglich der Familie Bahre (Baare, Barre), die das Haus Nr. 39 an der Langen Straße bewohnte. (Philipp?) Bahre wird 1768 / 69 im städtischen Steuerregister als Kaufmann aufgeführt. Karl Friedrich Bahre heiratete am 5. Jan. 1822 Sophie Charlotte Mascher aus Stolzenau. Karl Friedrich starb 1831. Seine Witwe heiratete im folgenden Jahr den bereits genannten Ludwig Gerlach, Sohn des Posthalters Friedrich Ludwig Gerlach und der Catharina Elisabeth Wellen kamp. Diese fami- liengeschichtlichen Ereignisse sind in der Familienbibel festgehalten. Ludwig Gerlach führte das Bahresche Geschäft im Haus Nr. 39 weiter. Von seiner Hand stammen folgende Eintragungen: " Charlotte Bahre und Ludwig Gerlach wurden am 22ten Januar 1832 getraut. Es wurde uns ein Töchterchen gebohren d[en] 19 July 1833. Die Frau Mama vom Hofe [in Stolzenau] war Gevatte- rin und wurde genannt Auguste Friderike. Sie starb den 16 Septbr 7 1 / 4 Uhr Morgens 1834 an Entkräftung [ ... ] Gott hab sie seelig. 1 834 den 7 Octbr Morgens 1 / 2 Ein Uhr wurde [Friedrich] Ludwig geboren d[en] 26ten Octbr getauft. Gevatter ist dessen Großvater [Postexpedi- teur] Gerlach. 1835 den 30 Dbr Abends 101 / 2 Uhr wurde Elise ge- boren. Gevatteri Schwester Christiani und Schwester Baschen. 1837 den 18 Octbr Nachmittags 4 Uhr wurde Lotte geboren Charlotte Wilhelmine Ernestine. Gevatter u Bruder Ernst in Holzhausen und ich - der Vater - 1840 d[en] 12 July Abends 7 1 / 2 Uhr wurde Eduard geboren Gevatter Bruder Eduard Gerlach [Pastor in Friedewalde] u Bruder Christiani". ,

38. Gasthofe zu frölichem Male und Ball versammelt " . Die städtische Jahreschronik für das Jahr 7842 wurde am 7. Aug. 7843 von den Stadtverordneten genehmigt , unter ihnen der Stadtverordnete Ludwig Gerlach. ie 48er Revolution brachte die königstreue Gesinnung der Lübbecker im allgemeinen nicht ins Wanken. Es gab Ausnah - men , es gab Zweifler und es gab kleine Zusammenrottungen, die eher mit Neugier als Auflehnung zu tun hatten. Die mit vielIdea - lismus begonnene Revolution brach in Deutschland in sich zusammen und setzte restaurative Kräfte frei. In der Wochenschrift " Der Volksfreund", Redaktion Rudolf Rempel und G. A. Wolff, war in der Ausgabe vorn 2. Dez. 7848 folgendes zu lesen : " Im K reise Lübbecke fängt's auch an , etwas heller zu werden. Die rei - chen Kaufleute, die Beamten und die Pfaffen haben zwar bis jetzt alles Mögliche aufgeboten, sie haben dem Volke die niederträch - tigsten Lügen von den Demokra- ten aus der Nationalversammlung aufgebunden, aber es kann doch Alles nicht helfen, die Wahrheit dringt doch zuletzt dur c h und der erste Strahl des Lichts, der in un s ere dunkele Gegend gedrungen ist , hat gleich eine Masse der bösen Nebel, die uns umlagerten, zerstreut " . Ein solches Blatt mit solchen Ansichten karn in einern bürgerlichen Haushalt natürlich nicht auf den Tisch. Is Kaufmann konnte Ludwig Gerlach ein für die Kaufmannschaft wichtiges Ereig- nis verzeichnen . Die Handels- kammer, zuständig für die Kreise Lübbecke und Minden sowie die Stadt Vlotho , mit Sitz in Minden , wurde auf Grund de s königli c hen E r lasses vorn 4. Dez. 7848 einge- richtet. Die Bemühungen, eine Handelskammer einzurichten, gin- gen auf das Jahr 7842 zurück. 52 Ludwig Gerlach wurde Mitglied der Handelskammer Minden. m 30. Dez. 7849 schied Ludwig Gerlach aus der Stadtverordnetenversammlung aus. 53

36. 413 Lübbecke L n n g c S t ra s s e N r . 3 9. Südfrüchte., Fisch., ~o)onial. und B elicatess- Liqueur·, Wein -, Tabark- und Cigamn - lIandlung en gros &; detail. Titelbl a tt e in e r Pr e i s li s t e vo n L ud w i g Ge rl ach c..--- udwig Cerlach bot alles an , was die damalige Hausfrau brau c hte , um nach dem Kochbuch der Henriette Davidis (180 I - 1876) ko c hen zu können. Henriette Davidis , deren Buch " Praktisches Kochbuch für die gewöhnliche und feinere Küche " zu ihren Lebzeiten 21 Auflagen erreichte - erstes Erscheinungs- jahr 1844, Velhagen und Klasing, Bielefeld - , war den Lübbeckern nicht unbekannt. Die Pfarrers- tochter aus Wengern an der Ruhr war 1838 bis 1855 Köchin im Postgasthof " Zur grünen Linde" in Levern. 4 9 Ihr Kochbuch, im deutschsprachigen Berei c h " das " Kochbuch, war in jedem gutbür- gerlichen Haushalt zu finden und lag auch im Cerlachschen Haus - halt griffbereit in der Küche . Für einen " Colonialwarenhändler " war es praktisch unentbehrlich. Jede Neuauflage mußte sorgfältig stu - diert werden, um den Wünschen der Kundschaft gerecht werden zu können.

22. Christiani einer Verminderung derselben angehalten werden müssen. Aus die s en Gründen würde es für di e Kämmerei k asse von großem Nachtheile s ein, wenn Christiani noch länger als Rendant fungierte und es ward daher b e s c hlossen , daß der Antrag zur Entlassung des Rendanten Christiani wegen mangelhafter Dienstführung gestellt werde ".33 Christiani wurde /845 aus den städtischen Diensten entlassen . /0 hristiani war Gastwirt des o " 8erliner Hofes " (heute Haus Ostertorstraße 1). Der Gasthof wurde später unter dem nachfol - genden Wirt Heinrich Wendt in " Gasthof zum Reineberg " umbe - nannt . In diesem Lokal tagte der Lübbecker Honoratiorenclub " Club /84/ " . 34 Clubmitglieder waren u. a. Ludwig Gerlach und sein Schwager Christiani . Auch der " Club " warf Christiani Unregel- mäßigkeiten vor , u. a. war die Beleuchtung an den Clubabenden nur mangelhaft gewesen. Christiani wurde vom "Club " ver- klagt . r;Tm Lübbecker Kreisblatt vom J 25. April/845 war folgende Annonce zu lesen : " Ich [Christiani] bin Willens folgende Mobilien als: Tische, Stühle, Spiegeln, mehrere Sopha , Bettstellen und Betten , Porcelain, Kupfer- Messing- Blech- und Zinn-Geschirr , sowie sonstige Hausgeräthschaften öffentlich meistbietend bis Martini d . j. auf Credit zu verkaufen. [ .. . ] Lübbecke , den 23. April /845. Christiani ". I 4 nsprüche der Gläubiger Ul/ mußten befriedigt werden. Christiani zog mit seiner Familie nach Hahlen bei Minden. Der Kaufmann und Stadtverord- nete Ludwig Gerlach bewarb sich um die freigewordene Stelle de s Kämmerers - ohne Erfolg. 35 Anzunehmen ist, daß die ver- wandtschaftliche Beziehung zu Christiani eine Rolle bei der Ableh- nung gespielt hat. Die Forderun- gen der Kämmerei an Christiani waren erst /854 endgültig befrie- digt.

40. m 4. März 7887 erteilte der Lübbecker Bürger· meister Lüders die Erlaubnis zum "Gifthandel". 55 Eine Revision, die am 76. Okt. 7897 durchgeführt wurde, gibt einen Einblick in die Gerlachsche " Drogen handlung " . Zur Revision waren erschienen: der Regierungs· und Medizinalrat Dr. Rapmund und Apotheker Klitzsch aus Minden, ferner der Kreisarzt Dr. Graffunder aus Lübbecke und der Lübbecker Bürgermeister Lüdeys. Zugegen war der Kaufmann Eduard Gerlach. Im Auftrage der König· lichen Regierung Minden wurde die " Drogenhandlung von Eduard Gerlach zu Lübbecke" inspiziert. In dem Bericht der städtischen Ver· waltung Lübbecke heißt es u. a.: " Die Drogenhandlung befindet sich in einem zweistöckigen, massiven an der Südseite der Langen Straße belegenen Hause No 39. Dieselbe ist äußerlich durch ein den Namen des Besitzers 'Eduard Gerlach' Eduard Gerlach 1840·1910 tragendes Schild bezeichnet. Der Besitzer ist bei der Revision gegen· wärtig und besitzt die Erlaubnis zum Gifthandel !-.-1- Der Verkaufs· raum befindet sich im Erdgeschoß des Hauses und wird direkt von der Straße aus betreten. Unter demselben liegt noch ein zweiter Verkaufsraum im KeIlergeschoß für Delikatessen, Petroleum u.s.w. Die Aufbewahrung der gewöhnli · chen Verkaufsgegenstände (Colonialwaren, Seifen, Parfüms, Cigarren, Chokolade, Zucker· waaren u.s. w.) sowie der vor· • räthig gehaltenen gewöhnlichen Drogen, Chemikalien u.s. w. geschieht theils auf Repositorien mit Schubfächern und Borten, theils in Schränken, die sämmtli · che Wände bekleiden. Als Auf- nahmebehälter dienen für diese Stoffe Schubkästen, Gläser mit eingetriebenen Glasstöpseln, oder Korkenverschluß, Blech· oder Porzellanbüchsen mit Überfall· deckeln die vereinzelt mit Oelfarbeschrift meist jedoch mit Papier · Lackschildern bezeichnet . d [ J " 56 S In .. .. as Haus an der Langen Straße , unter Nr. 39 aufge · führt, besaß die Doppelnummer 39 / 47. Es handelt sich um den • klassizistischen Neubau von 7875. Hier hatten vordem zwei Bürger· häuser gestanden.

10. ie Fami ie ie Einstufung der Lübbecker Bürgerhäuser vom Jahre 7706 für die Beitrags- berechnung zur Feuerkasse er - laubt eine Klassifizierung und eine erste Lokalisierung der Gerlach - schen Besitzung. In der Liste wer- den Haus und Nebenhaus des Werner Gerlach genannt. Beide Häuser sind mit 250 Reichstalern taxiert, das Haupthaus mit 750 Talern. 10 Bedenkt man die Spanne der Taxation zwischen 50 und 225 Reichstalern bei allen Bürgerhäu- sern, dann ist der Schluß berech - tigt, daß Werner Gerlach über eine gute Vermögensgrundlage verfüg - te, was die Immobilien betraf. Wie die Häuser des Werner Gerlach genau zu lokalisieren sind , darü- ber wird im Verzeichnis zur Feuer- kasse nichts gesagt. Nur die Reihenfolge läßt den Schluß zu, daß sie sich im mittleren Bereich der Langen Straße befanden. er ac an m Feuerkassenverzeichnis von 7723 werden Haus und Nebenhaus der "wittiben [Witwe] Gerlach", nämlich der Anna Lucia Scheffer, genannt. Beide Häuser lagen an der Langen Straße. In der Fortschreibung von 7755 wird ein Gerlach unter der Hausnummer 27 geführt. I I Das Gerlachsche Haus, Lange Straße 27, ist in der Lage identisch mit der heutigen " Neuen Apotheke". 12 7759 müssen sich Wilhelm Warmann und Wilhelm Gerlach, Sohn des Werner Gerlach, vor den Lübbecker Schützenmeistern Bode und Voßwinkel verantworten. Warmann und Gerlach hatten ...... tra Rinder zusätzlich und unerlaubt in die städtischen Bruchwiesen einge - trieben. Die überzähligen Rinder wurden in den Pfandstall der Stadt Lübbecke getrieben. Im Rathaus vorgeladen, redete sich Frau Warmann mit dem Vorwand her- aus, ihre Magd habe die Rinder aus Unwissenheit ins Bruch ge- trieben. Das " Bitten und Flehen " der Frau Warmann beeindruckte die Schützenmeister. Sie setzten die Strafe auf 9 Mariengroschen herunter. Wilhelm Gerlach war aus härterem Holz geschnitzt als Warmann. Er schickte seine Frau nicht vor. Ihm wurden 27 Marien - groschen aufgebrummt, dazu noch 9 Groschen für das Eintrei- ben in den Pfa nds ta 11. 13 e

8. Weg zum Gut Obernfelde , Federze ic hnung v on Bodo Frhr. v. d . Hor s t - H a ldem m 20. März 7657 wurde vor dem Lübbecker Stadt- gericht der Fall einer privaten Pfändung verhandelt. Kläger war der Bürger Bröldiek (Broyeldieck). Bröldiek klagte, daß Gerlach ihm im Jahre 7648 ein Pferd als Pfand abgenommen habe. Gerlach hatte das Pferd auf seiner Wiese ange- troffen, wo es vermutlich eine bes- sere Weide gefunden hatte a l s in den städtischen Weidegründen. Gerlach hatte das Pferd den Schützenmeistern übergeben, die es dem städtischen Pfandstall zu- wiesen. Vor dem Stadtgericht sagte Gerlach aus, "daß er das Pferd geschattet [als Pfand ge- nommen} umb den schaden so es Ihme in der Wisch [Wiese} gethan " . Das Pferd des Brö l diek hatte schlicht und einfach zuviel Gras weggefressen. Gerlach glaubte sich im Recht, was der Kläger bestritt, denn er, Bröldiek, habe Gerlach einen Pfandersatz ange- boten, den dieser aber nicht habe annehmen wollen - so die Aussage Bröldieks. ie Schützenmeister dräng- ten auf einen Vergleich. Am 26. Februar 7652 kam es zu einer erneuten Verhandlung. Bröldiek bekräftigte seine Aussage, daß er Gerlach damals einen Pfandersatz angeboten habe. Gerlach behaup- tete das Gegenteil. Bröldiek bestand darauf, daß Gerlach ihm den Schaden ersetze, der ihm durch die feh l ende Arbeitsleistung des Pferdes entstanden sei . Am 7. April des Jahres 7652 kam es zu einem Vergleich. Das Gericht war zu der Auffassung gekom - men, daß Gerlach einen Pfandersatz abgelehnt habe. Gerlach erklärte sich bereit, 5 Taler Schadensersatz an Bröldiek zu zahlen .? (eist)r Gottscha l k Gerlach wurde It. Aus- sage des Kirchenbuches am 9. Mai 7681 auf dem Lübbecker Kirchhof an der St.-Andreas-Kirche begra- ben. Seine Frau, Adelheid Wellinghoff, wurde am (1.?) Okt . 7696 zu Grabe getragen ,s Meister Gottschalk war dem Schmiede - handwerk nachgegangen. 9 Werner Gerlach, Sohn des Gottscha l k Gerlach und der Adelheid Wellinghoff, hatte das väterliche Erbe angetreten. Er war mit Anna Lucia Scheffer verheiratet.

37. er Sta tveror nete Lu aufmann Ludwig Gerlach wurde am / /. September /842 in die Stadtverordnetenver- sammlung gewählt. 50 Zeitweise übte Gerlach das Amt des Proto- kollführers aus . Die städtische Entwicklung wurde von ihm maßgeblich mitgestaltet . Ludwig Gerlach gehörte, wie schon gesagt, dem Lübbecker Hono - ratiorenclub " Club /84/ " an. Die Clubabende bestimmten im wesentlichen das politische Leben der Stadt. Alle wichtigen Beschlüsse wurden hier vorberei - tet . Zwar gehörten ihm nicht alle Stadtverordneten an, jedoch der jeweilige Bürgermeister und natürlich der Landrat. on Ludwig Ger l achs Hand stammen zahlreiche Protokolle zu den Sitzungen der Stadtverordneten. Einige Protokolle mögen hier einen Einblick in das städtische Leben des vorigen Jahrhunderts geben. Als der Geburtstag von König Friedrich Wilhelm IV . am /5 . Okt. /842 begangen werden sollte, waren sich die Stadtverordneten in ihrer Sitzung vom 9. Okt. darin einig, " daß dieses Geburtsfest in hiesiger Stadt feierlichst begangen werden müsse ".5/ Folgende Vorschläge wurden von L. Gerlach protokolliert: " 1. am 15ten d Mts Abends 6 1/2 Uhr soll eine Srundelang mit den hiesigen Kirchen Glocken geläutet werden . Z. Die Stadt wird am Abend des Festes freiwillig illuminiert und beginnt die Illumination mit dem Anfangen des Geläutes und währt bis zu des - sen Beendigung. 3. Am Fest Abend ist Ball und Abendessen im Saal des Gastwirths Marmelstein hier- selbst " . er Marme l steinsche Gasthof - nach alter Zählung Lange Straße Nr. 11 stand östlich der Einmündung in die Blüttenstraße. Hier wurde spä- ter das Hotel " Deuts c hes Haus " geführt. ie Stadtverordneten nah - men in der Sitzung vom 9. Okt. /842 auch Vorschläge des Festausschusses zur Kenntnis. Es sollten einige Anderungen vorge- nommen werden . In der Stadt - chronik ist zum Fest vermerkt: mISten October wurde der Geburtstag Seiner Majestät gefeiert. Morgens von 11 bis 12 Uhr waren die Gemeindemitglieder in der Kirche versamme l t, wo der Prediger Möller eine zweckmäßige Rede hielt . Abends von 6 bis 8 Uhr war die Stadt illuminiert , später die Bürgerschaft im Marmelstein- schen und Christianischen

14. Niedernstraße dem Schmied Knollmann. Es war jedoch nicht bewohnt. Möglicherweise wurde das Haus von einern der Gerlachs angekauft und bald wieder ver- kauft, oder es gab eine weitere Familie mit dem Namen Gerlach in Lübbecke. s ist vorstellbar, daß die Brüder Franz und Winand zeitweise gemeinsam mit ihren Familien im Haus an der Langen Straße wohnten. Ein solches Zu- sammenleben ist für die Zeit nicht ungewöhnlich. Mitbewohner und Mieter war der Sattler Edeler, der kein volles Bürgerrecht besaß. Im Jahre /798 wohnte der Fuhrunter- nehmer Franz Gerlach auf dem Korffschen Hofgut (Bereich des ehemaligen Döllerschen Hauses am Markt). 17 Die Brüder Franz und Winand hatten sich getrennt . n der Viehstandstabelle von /798 erscheint unter der Hausnummer 2/ der Fuhrmann Winand Gerlach im Besitz eines vollen Gespannes. Er besaß also 4 Pferde. Als Besitz- stand werden weiter aufgeführt: / Fohlen, 3 Kühe, 4 Rinder, / Kalb, 2 Schweine, / Ziege. Franz Gerlach auf dem Korff- sehen Hofgut war ebenfalls im Besitz eines vollen Gespannes. Außerdem gehörten zu seinem Vieh bestand 2 Kühe, 3 Rinder, 2 Schweine./ 8 Die Brüder Gerlach führten wie schon ihr Vater Lohnaufträge aus. /8/2 erwarb der Fuhrunternehmer Wilhelm Gerlach (Sohn des Franz Gerlach?) Wohnhaus und Hofplatz des Korffschen Hofes./ 9 riedrich Ludwig Gerlach, Sohn des Franz Gerlach, heiratete /793 Catharina Elisabeth Wellen kamp verw. Lücker. Damit karn er in den Besitz des "Lückerschen Freihofes " , des späteren Posthofes, der dem genannten Korffschen Hofgut nach Norden hin gegenüberlag . as Haus Lange Straße 2/ war /808 im Besitz des Fuhrmannes Heinrich Teiche (Telgheder). Er war mit Catharina Luise Gerlach, der Tochter von Winand Gerlach, verheiratet.

35. ._-- - , , , . . ' , . , 171 5i.lualtoTIs -J=llarr ' ~7? , ~ ! F~ : J l U ; .f ---- - • • , • < ... -r . . . , . · . . .. ,:; , ' . " , ",- - ," • • CI .. ~ . . .. " • , , , ,- • 1 l , / i .. I , ~ • , , , I , j 1 , , " . ~ I , • • • • • , , ,\ " " ! . • i .. ~~ -r 7f :' - ~ ~.:". . J ; ""L/',,.., " , ,

25. L. Gerlach war geschäfts - • tüchtig. Für die reisenden Postgäste hatte er eine kleine Gastwirtschaft eingerichtet. Hier die Preisliste von /835 "für die Post - Passagier-Stube in Lübbecke " : "Eine Portion Caffee do [dito] Thee do Chocolade erg l eich mit der "Brod und Fleisch- Taxe der Stadt Lübbecke für den Monat Juli /835 " : " Ein Weizenbrot zu 5 Pfund /7 Loth kostet 5 Silbergroschen. Ein Pfund bestes Rindfleisch 5 Sgr [Silbergroschen] 5 Sgr 5 Sgr Eine Bouteille Bordeaux Wein von /5 Sgr bis / Rtl [Reichstaler] / 0 Sgr do do do Rheinwein Graves Moselwein Bier /5 / /5 / (/ /2 Bout[ e ille] die Hälfte der vorstehenden Preise) Ein Glas Rum / Sgr 3 d [Pfennige] do Liqueur / 3 do Steinhaeger Wacholder / 5 5 3 Eine Po rti on Butterbrod mit Braten Wurst oder Käse 2 Sgr 6 d do Zwieback zum Caffee p. p. " 31 / Silbergroschen 8 Pfennige " . 38 - Das Pfund hatte 30 Lot. Der Taler wurde zu 30 Groschen gerechnet, der Groschen zu /2 Pfennigen. ie Arbeit eines Postexpedi - teurs brachte manche Unannehmlichkeit mit sich, wie sie nun einmal im Gang der täglichen Geschäfte nicht zu vermeiden war. Es gab aber auch Ärger, der über das übliche Maß hinausging und in Lübbe c ke sogar das Amt des Post- expediteurs ins Wanken brachte.

19. em" riedrich Ludwig Gerlach, geb. am 22. jan. 1770, Sohn des Franz Gerlach und der Henriette Tegeler, erscheint 1798 als " Eigentümer " des " Gogreven- hofes " in der städtischen Gebäude- liste. Catharina Elisabeth WeIlen- kamp, in erster Ehe mit dem Hof - eigentümer, dem Verwalter Lücker, verheiratet, hatte den Hof mit in die Ehe gebracht, als sie am 12 . Febr. 1793 Friedrich Ludwig Gerlach heiratete. Ihre Kinder aus erster Ehe wurden abgefunden. Sie selbst blieb vorerst Eigentümerin des Freihofes, bis der Besitztitel 1799 geändert wurde. Friedrich Ludwig Gerlach war Miteigen - tümer geworden. 1798 wurde in die städtische Gebäudeliste folgen- de Gebäudebeschreibung eingetra - gen: " Ludewigs Gerlachs Hof a Wohnhaus b das neue Haus rech- ter Hand c das kleine Backhaus " . 2 5 In der Viehstandstabelle vom sel - ben jahr heißt es: " 5 Pferde, 1 Ochse, 4 Kühe, 1 Rind, 2 Kälber, - en Frei , er ac sc o Postexp e diteur u . K ä mmer e r F r iedrich Lud w ig C erl ac h 1770 · 1850 8 Schweine, 1 Ziege " . 26 Es war ein geräumiges Anwesen vorhanden, auf dem sich wirtschaften ließ. Zu dieser Zeit übte F. L. Gerlach neben seiner Tätigkeit als " Ökonom " (Landwirt) einen zweiten Beruf aus. Er war " Protokollant " des Stadt - kämmerers johann Friedrich Stremming, d. h. Gerlach war Büro - gehilfe des Kämmerers. Wie sich bald herausstellen sollte, war es eine nützliche Lehrzeit für den jun - gen Gerlach. Is Stadtkämmerer Stremming am 23. No- vember 1804 im Alter von 78 jah- ren gestorben war, bewarb sich F. L. Gerlach noch am selben Tage um die freigewordene Magistrats- stelle. 27 Mitbewerber waren der Gastwirt August Marmelstein und der Kaufmann Ernst Consbruch . Bürgermeister Consbruch schrieb ein Empfehlungsschreiben zugun - sten des Freisassen und Protokol- lanten Gerlach. Er lobte ihn wegen seines " schon vor einigen jahren beigelegten Zeugnisses von seinem Fleiß, seiner aplication und Brauchbarkeit in Gerichtlichen und Außergerichtlichen Geschäf- ten " . Bürgermeister Consbruch bezog sich damit auf die bereits geleistete Arbeit Gerlachs für Stremming, der das Amt des Käm - merers bis in das 78. Lebensjahr hinein ausgeübt hatte. Im Alter war ihm Gerlach nicht nur eine nützliche, sondern auch eine will- kommene Hilfe gewesen, die sich im nachhinein auszahlen sollte.

23. er Postex L. Gerlach übte mehrere • Berufe aus. Er war " Oe co - nom" (Landwirt), Kämmerer, Steuereinnehmer, Geldverleiher, Konkursverwalter und Gastwirt. Das " Westfalen lexikon J 832 - J 835 " weiß noch etwas mehr. Genannt wird " Gerlach, Friedr. Ludw., Postexpediteur, Brannt - weinbrennerei und Kolonial- waarenhandeJ". Sein Heimatort Lübbecke wird, wie folgt, be - schrieben: " 2 3 / 4 MeIlen westl. von Minden, mit Mauem, Wällen und Gräben umgebene kleine Stadt mit 3 J 8 Häusern und 2.300 Einwoh- nern. Kollegiatstift , Tabaks - fabriken, Gärbereien, Branntwein - brennereien und Handel mit Seidenzeugen sind die vorzüglich - sten Nahrungszweige des Orts " . Das genannte Kollegiatstift be- stand zu dieser Zeit als Institution nicht mehr. Das Stift war J 8 J 0 aufgelöst worden. e iteur Frie L. Gerlach hatte sich J 806 • erfolgreich um das Amt des "Canton - Receveurs " bemüht. Ebenso erfolgreich bewarb er sich im selben jahr um das Amt des Posthalters in Lübbecke. Die Lübbecker Poststation war vor 1806 auf dem Reckeschen Hof am Markt untergebracht. Der " Gogrevenhof' oder " Lückersche Burgmannshof' bot genügend Platz und Räumlichkeiten für Postkutschen und Pferde. Den Postillionen und Gehilfen standen angemessene Unterkünfte zur Verfügung. Übernachtungs- möglichkeiten für Reisende gab es im eigenen Haus und im gegen- überliegenden ehemaligen Westrupschen Burgmannshof (heute Farbenhaus Krämer). • Lu rlC ach der Niederlage der napoleonischen Armee bei Leipzig, die den Wiederaufstieg Preußens einleitete, wurde F. L. Gerlach J 8 J 4 in den preußischen Postdienst übernommen. Der preußische Generalpostmeister v. Seegebarth unterzeichnete am 20. Dez. 1814 die Bestallungsurkunde für den " bisherigen provisorischen Postwärter Gerlach". Mit Wirkung • vom J. jan. 1815 war Gerlach jetzt preußischer " Postwärter". Er wurde am 12 . Okt. J 8 J 5 vereidigt, das " königliche und landesherrli- che Postregal gebührlich zu beob - achten " . 36 Eine Vereidigung auf den preußischen Staat war not- wendig, weil Gerlach ursprünglich in den Postdienst im Königreich Westfalen unter jerome, dem Bruder Napoleons, eingetreten war.

28. osthalter Friedrich Ludwig Gerlach (80 jahre), Sohn Heinrich Gerlach (26), die Töchter Charlotte (23) und Wilhelmine (20), die Postillione Heinrich Nordsiek (36) und Wilhelm Honerkamp (32), die Knechte Gottlieb Druhmann (20) und Friedrich Kleffmann (27), die Mägde Sophie Krüger (32) und Louise Schröder (22), Postexpedient Carl Gerlach (32), Gehilfe Ferdinand Stier (19), Bürogehilfe Philipp Obermann (36), seine Frau Grete (36) und ihr Sohn Hermann (12).4 0 ie im Hausstand von /849 genannten Geschwister Gerlach stammten aus der dritten Ehe des Posthalters F. L. Gerlach mit Friederike Auguste Müller. Aus den drei Ehen des F. L. Gerlach gingen /9 Kinder hervor . Nach der Genealogie der Familie Gerlach erreichten 8 Kinder nicht einmal das schulpflichtige Alter. Zwar ließen sich ansteckende Krank- heiten wie die Pocken bereits bekämpfen, gegen Kinderkrank- heiten waren die Ärzte oft macht- los . Die drei Ehen des F. L. Gerlach sind nicht ungewöhnlich . Manche Ehen dauerten nur wenige jahre, weil die Frauen am " Kindbett- fieber" starben. Die zweite Frau F. L. Gerlachs, Caterine juliane Consbruch, starb an der damals verbreiteten Tuberkulose (Schwindsucht). Fünf ihrer sieben Kinder überlebten nicht einmal das zweite Lebensjahr. 4 / Die Schicksalsschläge wurden von einem Gottvertrauen getragen, das heute von vielen nicht mehr nachempfunden werden kann. F. L. Gerlach starb im Alter von 80 jahren auf dem Posthof in Lübbecke. as hohe Alter F. L. Gerlachs kann den Zeitverhältnissen entsprechend nicht mit Ruhestand gleichgesetzt werden. jeder arbei - tete so lange, wie es seine Kräfte zuließen. Das wurde von jedem erwartet. In späteren jahren lag die Hauptlast der Geschäfte in den Händen von F . L. Gerlachs Sohn Carl. Seine Schwester Wilhelmine heiratete am 22. Sept. /857 den Postexpediteur Ferdinand Stier. Im jahre 1864, als Carl Gerlach Postexpediteur und Heinrich Gerlach Posthalter waren, lebten auf dem Po s thof ihre Familien mit dem Gesinde und den Postgehilfen, zusammen 22 Personen . Zum Postpersonal zählten 4 Postillione und 3 Expedienten. 4 2 Der letzte Vertrag zwischen dem Königlichen Generalpostamt einerseits und den Postfuhrunternehmern Kun- scheffer und Gerla c h andererseits, 1844 abgeschlossen, war 1847 abgelaufen. Alle postalischen Angelegenheiten wurden jetzt vom Post hof aus wahrgenommen.

2. Aufnahme in die Bürgerschaft ..................................... 5 Eduard und Carl Gerlach trennen ihre Meister Gottschalk Gerlach .......................................... 8 Geschäftsbereiche ..................................................... 94 Die Familie Gerlach an der Langen Straße ................. 11 Kriegsjahre und Umbruch ......................................... 95 Die Brüder Franz und Winand als Geldgeber in Nach der Währungsreform .................................. .... 104 städtischen Geschäften .............................................. 13 Eduard Gerlach, eine Respektsperson ...................... 110 Ackerbürger und Fuhrunternehmer ........................... 14 Eine neue Geschäftsära im Zeichen der Zur Geschichte des Gogrevenhofes, des späteren Marktwirtschaft ...................................................... 112 Gerlachschen Freihofes .............................................. 16 Der Neubau an der Bäckerstraße ........................... 115 Auf dem "Gerlachschen Freihof' - Stadtkämmerer Feuchtpuder und Tabakfolien .................................. 118 Friedrich Ludwig Gerlach - ............................ ............. 20 Das Haus Gerlach unter Leitung von Die Stadtkämmerei unter Friedrich Christiani ............ 22 Gerhard Gerlach-Hollmann ..................................... 130 Der Postexpediteur Friedrich Ludwig Gerlach ............. 24 GEHWOL FUSSKRAFT und moderne In weiteren Geschäften tätig ...................................... 30 Praxiseinrichtungen für die Fußpflege ..................... 132 Eine Familienbibel ...................................................... 32 Bedarfsgerechte Produkte und Nähe zur Praxis ....... 136 Das Geschäft des Ludwig Gerlach .............................. 35 GOLDGEIST FORTE kommt auf den Markt ................ 731 Der Stadtverordnete Ludwig Gerlach ......................... 38 Eine Drogerie wird eingerichtet ................................ .40 Eine Erfahrung mit weitreichenden Folgen .............. : . .42 Im neuen Haus an der Langen Straße ....................... .46 Die solide geschäftliche Basis bleibt erhalten ........... 138 Neue Firmenleitung setzt mit Erfolg auf Kontinuität ....................................................... 139 Neuer Start in Ostdeutschland ................................ 143 Zur wirtschaftlichen Situation im Kreis Lübbecke ....... 56 Anschluß an den neuesten Stand der Technik ............ 58 Ein vielseitiges Angebot ............................................. 62 Eine neue Geschäftsära beginnt ................................. 68 Die Gerlachsche Drogerie wird verpachtet ................ .76 Das Geschäft expandiert ........................................... .78 Das Kremkochen ........................................................ 84 Der Kommunalpolitiker Eduard Gerlach .................. 746 Die Gerlachs, die Lübbecker Schützen und die Vereine ....................................................... 156 GERLACH - Vertretungen in Deutschland ................... 162 GERLACH-Vertretungen im Ausland ......................... 163 Anmerkungen ......................................................... 164 Berichte über die wirtschaftliche Entwicklung ............ 90 INDEX ..................................................................... 169

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